Patente made im Ländle


Baden-Württemberg ist die Region mit der größten Innovationskraft. Das ist das Ergebnis einer Erhebung, für die das Statistische Landesamt in Stuttgart Daten der Europäischen Statistikbehörde Eurostat nach sechs Innovationskriterien ausgewertet hat. Bezogen auf eine Million Einwohner werden danach von baden-württembergischen Erfindern etwa fünfmal so viele Patente beim Europäischen Patentamt angemeldet wie im Durchschnitt aller 27 EU-Länder.

Ausschlaggebend für die Spitzenposition Baden-Württembergs waren den Statistikern zufolge Investitionen in Forschung und Entwicklung, die hohe Bedeutung forschungsintensiver Industriezweige und der Erfindungsreichtum. Dabei spielen nicht nur die Großunternehmen wie Bosch, Dürr oder Siemens eine Rolle. So präsentiert die Dorfmüller Solaranlagen GmbH aus Kernen im Remstal, ein Photovoltaik-Pionierunternehmen, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) einen Wechselrichter für die Brennstoffzelle. Für diese innovative Leistung wurde das Unternehmen mit dem Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft ausgezeichnet. Aber auch das Balinger Partnerunternehmen zeigt mit der Produktlinie „miniClever DS“ verschiedene Modellausführungen zur Direktstromerzeugung mit Photovoltaik. „miniClever DS“ wird einfach auf das Garagen- oder Carportdach gestellt, in der Garage angeschlossen und kann von da an Eigenstrom sowohl für die Garage als auch für das Hausnetz liefern.Die Techniktüftelei hat im Südwesten eine lange Tradition: Weil das Land arm an natürlichen Rohstoffen ist, musste seine Bevölkerung schon zu Beginn der Industrialisierung auf seine geistigen Kräfte und seine handwerkliche Geschicklichkeit setzen. Weil Not bekanntermaßen erfinderisch macht, tüftelten die Badener und Württemberger ihre Länder zum Erfolg. Fahrrad, Automobil und Luftschiff beispielsweise sind allesamt Erfindungen aus dem Ländle, das zum klassischen Standort einer stark exportorientierten Verarbeitungsindustrie mit großen Namen wie Mann+Hummel, Eberspächer oder Balluff wurde.

Die Erfolgsgeschichte der Bohrmaschine


Heute ist die Bohrmaschine im Handwerk und bei Heimwerkern nicht mehr wegzudenken. Die Firma C. & E. FEIN GmbH legte den Grundstein für die rasante Entwicklung des weltweit ersten Elektrowerkzeugs.

Die Geschichte begann im Jahr 1895 mit einer bahnbrechenden Idee: Zwei Mechaniker von FEIN sollten eine große Zahl von Bohrungen von Hand ausführen. Um Zeit zu sparen, setzten sie das mechanische Bohrfutter auf die ­Welle eines kleinen Elektromotors – und schon hielten sie die erste elektrische Bohrmaschine in Händen. Der älteste Sohn des Firmengründers, Emil Fein, erkannte das Marktpotenzial dieser Improvisation und entwickelte die erste elektrische Handbohrmaschine der Welt. Sie wog 7,5 Kilogramm, wurde mit zwei Händen gehalten und hatte eine Bohrleistung von vier Millimetern in Stahl. Es entwickelte sich ein Wettlauf mit der Konkurrenz, immer bessere, leichtere, sicherere und leistungsstärkere Modelle zu bauen. Diese Entwicklung bestimmte FEIN entscheidend mit.

Schwäbischer Erfindergeist hatte bei FEIN aber auch schon viel früher Tradition. Motor des Erfolgs war der Ehrgeiz des Unternehmensgründers Wilhelm Emil Fein. Er gründete das Unternehmen 1867 und etablierte es im damals innovativen Bereich der Elektrotechnik. Zahlreiche Erfindungen des Pioniers der Elektrotechnik stammen aus seinem Werk – wie zum Beispiel der erste elektrische Feuermelder oder das erste tragbare Telefon. Emil Fein entschied sich 1908 dafür, das Unternehmen ganz auf die Entwicklung und den Bau von Elektrowerkzeugen für Industrie und Handwerk auszurichten.

Erfindergeist prägte und prägt noch heute das Traditionsunternehmen in Familienbesitz. Das über 145-jährige Unternehmen mit Sitz in Schwäbisch Gmünd-Bargau ist ein international erfolgreicher Premiumhersteller und entwickelt und produziert professionelle und extrem zuverlässige Elektrowerkzeuge für den harten Dauereinsatz in Industrie und Handwerk.